
Video-Jockeys: Die Visionäre des Visuellen
ein Bericht von Epson Deutschland GmbH
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Die mit den Lichtwellen reiten Meerbusch, 7. Dezember 2006. Video-Jockeys - noch nie gehört? Kein Wunder, diese Spezies ist (noch) selten. VJs sorgen für spektakuläre Licht-Erlebnisse in Clubs, bei Events oder im Bereich Interior Design. Das primäre Ziel der Licht-Künstler: Aus vielen Bildern und Lichtelementen ein erlebnisstarkes Ganzes zu komponieren. Mit oder ohne begleitende Musik. Aber immer mit der Absicht, visuelle Grenzen auszuloten, zu durchbrechen und auf diese Weise für den Moment neue, erlebnisstarke Bildsprachen zu entwickeln. Mit exakt 299.792.458 m/s treffen die farbigen Lichtphotone auf die Leinwand in der brechend vollen Diskothek "3001" in Düsseldorf. Es ist Samstagabend. Zu hämmernden Beats erstrahlen Lichtsymphonien über den Köpfen der Besucher. Künstliche Formen drehen sich ineinander, lösen sich auf und werden wie von Geisterhand zu neuen Bildmotiven zusammengesetzt. Die "Geisterhände" gehören zu einem Video-Jockey, kurz VJ. Er hat seine Laptops, DVDs und viele weitere Geräte neben dem DJ aufgebaut - und dieser Platz ist praktisch wie symbolisch der richtige. Denn beide "Jockeys" müssen harmonieren: Der VJ, wenn er in Clubs und Discos arbeitet, setzt die vom DJ vorgegebenen Klangstrukturen im Moment des Hörens in Bildsprache um. Manchmal kontrastierend, manchmal vorpreschend, immer bezogen auf das Hörbare. Die Bilder werden mit sechs Epson Hochleistungsbeamern auf eine oder mehrere Leinwände projiziert - ein echter Härtetest. Denn ein solcher Einsatz dauert selten kürzer als 10 Stunden. Epson als Sponsor des "3001" in Sachen Lightshow- Equipment weiß, worauf man sich einlässt. Und ist stolz, dass bisher alle Geräte den Härte-Dauertest problemlos überstanden haben. VJs bezeichnen die Beamer im Übrigen poetisch als "Pinsel und Leinwand in einem". |
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Faszination Licht-Loops Wer aber sind VJs? Auf ihren Visitenkarten steht "Visueller Gestalter" oder "Visual Artist". Ihre Leidenschaft ist das Licht, genauer gesagt der kreative Umgang mit Bildern und Lichtern. VJs sind beispielsweise Philip Schnurr, Jens Heinen und Gunther Ernst Heimpel, die in Köln unter dem Namen "aheadscreen&sirious&Beatsurfers" firmieren. Philip Schnurr ist seit mehr als drei Jahren in der Clubszene unterwegs, um das Publikum mit seinen visualisierten Ideen zu begeistern. "Visuals sind die geilsten Drogen, die man nehmen kann. Mehr braucht man nicht", beschreibt Philip Schnurr die Wirkung der Licht-Loops, die er stundenlang an seinen Computermonitoren entwickelt und komponiert. Seine Leistungen und diejenigen seiner Kollegen werden nicht nur in den Clubs, Diskos und Bars gefeiert, auch immer mehr Unternehmen machen sich diese Art der emotionalen Stimulanz zu nutze, beispielsweise auf Events. |
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Ursprung aus der multimedialen Steinzeit Begonnen hatte die VJ-Szene vor vielen Jahren mit den legendären Coldcut. Die beiden Macher des Electronic-Labels Ninja Tune entwickelten nicht nur die ersten Schritte des Rave im Musikzeitalter, sondern vor allem auch eine Software für Video-Scratching und Lifeshow-Visuals, die bis heute die VJ-Szene beeinflusst hat und beeinflusst. Die Ästhetik dieser visuellen Klangwelten kommt unter anderem aus den Filmklassikern der Stummfilmzeit: Damals, vor fast hundert Jahren, gab allerdings das Bild "den Ton an" und der Ton, live gespielt von einem Pianisten, manchmal von einem ganzen Orchester, "visualisierte das auf der Leinwand Sichtbare". Die VJ-Szene in Deutschland ist (noch) überschaubar: Etwa 500 Aktive tragen schätzungsweise diesen Titel, allerdings, so die drei VJs von "aheadscreen&sirious&Beatsurfers", "gibt es in Deutschland höchstens 50 professionelle Video-Jockeys." Köln und Berlin sind die Hochburgen der Szene. Europaweit haben die Niederlande, England und Österreich einiges in Sachen Videobilder zu bieten. |
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Inszenieren und komponieren Der Markt an sich ist, so sagen es die Protagonisten selber, noch "reichlich unterentwickelt". Neben der Arbeit in Clubs und Co. arbeiten VJs in der Kunst, für Architekten, für Theaterproduktionen, im Bereich der Schaufenstergestaltung und vor allem bei Unternehmensevents. Dort lassen sie Produkt-Neuvorstellung im richtigen Licht erscheinen, laden Marken und Macher emotional auf und sorgen dafür, dass bei der anschließenden Party die Visuals der Corporate Identity fortgeführt und wahrgenommen werden. Im Prinzip geht es bei solchen Events darum, etwas Vorgegebenes (Produkt oder Dienstleistung) mit Hilfe eigens für diesen Zweck komponierter bewegter Bilder als visuelles Erlebnis zu inszenieren. Dazu werden eigene Sequenzen mit Bluebox-Technik erstellt, dies mit eigenem oder dem Material aus den Archiven des Auftraggebers kombiniert und das Ganze inklusive Musik zu einem intensiven audiovisuellen Mix zusammengesetzt. |
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Bildbewegungen im freien Raum Das eigentlich Faszinierende an den Arbeiten der VJs sind die in der Wahrnehmung des Betrachters ausgelösten Mechanismen, die eigenständige Bildsprache des Genres. Im Gegensatz zu einer einzelnen Fotografie ist das Sichtbare in ständiger Bewegung, und im Gegensatz zum ebenfalls mit bewegten Bildern operierenden Film haben die visuellen Reize der VJ-Arbeiten keine logische Reihenfolge und keine definierte Geschwindigkeit. (Zur Information: Im Film werden mindestens 25 Einzel-Bilder pro Sekunde durch die Trägheit des Auges zu einer kontinuierlichen Bewegung zusammengesetzt, die man als kontinuierlichen Film wahrnimmt.) VJs bewegen sich im freien Raum, ohne Einschränkungen bei Bildgeschwindigkeiten, Bildinhalten, ja vielfach auch frei von Orten: so projizieren die Visual Artists ihre Werke nicht nur auf Leinwände, sondern auch auf Gebäude oder in der Natur. |
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Bewegte, bewegende Bildsprache: Im Takt und mit Gefühl Die Bildsprache, die sich aus diesen "Bedingungen fast ohne Einschränkungen" entwickelt hat, orientiert sich dennoch an Konstanten. Beispielsweise ist die Verwendung so genannter Loops, ständig sich wiederholende Schleifen, ein eindeutiges Relikt aus der Welt der DJs, wo ähnliche Wiederholungen mit musikalischen Grundmustern geschehen. Das Wiederholen an sich bewirkt auch im Visuellen eine Art Meta-Takt: Die kleinste Einheit eines Visual Projects ist das Einzelbild, welches aber - wie bereits erwähnt - erst durch eine Folge von 25 Bildern pro Sekunde als "bewegt" wahrgenommen werden kann. Eine weitere Ebene sind die Loops, kleine Filmteile, die durch ihre Wiederholungen einen bestimmten Rhythmus aufbauen. Aus diesem Rhythmus heraus generiert der VJ, entweder durch harte Schnitte oder in seiner Veränderung kaum wahrnehmbar, die gesamte Melodie, das visuelle Klanggebäude. Die Wirkung von Farben, erkennbare Motivteile, die Geschwindigkeit der Bewegung - für den visuellen Komponisten gibt es kaum Grenzen in der Entwicklung eigener Bildsprachen. Die Ergebnisse können durch ihre visuelle Reizflut sehr stark stimulieren, sie können aber auch beruhigen, sie können die Phantasie anregen, sie können lustvolles Genießen oder sogar prickelnd Anregendes erzeugen. In der Regel ohne konkreten Inhalt, aber immer direkt in die emotionale Empfindungswelt des Betrachters eindringend und eingreifend. Ähnlich wie bei Musik, aber eben doch ganz anders. Weil visuelle Erlebnisse durch den Wahrnehmungsapparat "Auge" rezipiert werden. Und doch wieder gleich, weil wie in der Musik emotionale Leidenschaft ganz ohne die Vermittlung konkreter Inhalte stimuliert werden kann. |
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In Zukunft völlig neue Dimensionen der Bilderfahrung Philip Schurr und seine VJ-Kollegen sind davon überzeugt, dass der Bedarf an ihren visuellen Kunstformen weiter steigen wird, in Kürze überhaupt erst in größerem Umfang entdeckt wird. "Wir können in Menschen Emotionen auslösen, die durch kein anderes Medium auf diese Weise angesprochen werden. Das heißt, wir erzeugen einen direkten Zugang zu den Menschen, die sich auf unsere Visuals einlassen. Und das Ganze geschieht ohne irgendwelche Nebenwirkungen." In Zukunft sehen die Kölner aber nicht nur steigenden Bedarf an VJ-Leistungen, sondern sie erkennen auch verbesserte technische Voraussetzungen für ihre Werke. So werden beispielsweise extrem plastisch darstellende Bildschirme mit OLED-Technologie (organic light-emitting diode), noch leistungsstärkere Beamer, weiter entwickelte Software-Programme oder auch die Verknüpfung bisher getrennter Technologien zur Entwicklung neuer Bildsprachen führen: Digitale, codierte Musiknoten oder gesprochene Worte generieren Farben und Formen, Bewegungen und Töne der Betrachter werden interaktiv in das Kunstwerk integriert und sprengen die Grenzen zwischen Musik und Visuals. Aber auch der seit den Ur-Tagen der visuellen Medien immer wieder gehegte Wunsch nach 3D-Bildern dürfte in den kommenden Jahren ein neues Werkzeug der Visual Art werden. Vielleicht sogar entwickelt von VJs. Auf jeden Fall begierig als "neue Dimension" für innovative, emotionsstimulierende visuelle Erlebnisse aufgenommen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Wir werden sehen. Quelle: Pressemeldung Epson Deutschland GmbH, 07. Dezember 2006 |
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